Digital Slavery

In 1987 konnte ich noch zwischen Sarkasmus und Realität unterscheiden. Vierunddreißig Jahre später bin ich mir nicht mehr sicher. Die ganze Welt scheint ihre eigene perverse Ironie geworden zu sein. Heute halten Akademiker die Regierung für eine wahrhaftige Einrichtung, die um das Wohl der Bürger besorgt ist. Eine Farce, die sich früher niemand ausgemalt hätte.

Sie wollen nur unser Bestes. Wenn wir unsere Gesichter mit Staubmasken unkenntlich machen. Wenn wir belegen sollen, gesund zu sein, bevor wir normalste Dinge des Alltags tun dürfen. Wenn unsere Freiheit, in andere Länder zu reisen, von einem digitalen Zertifikat abhängen soll. All dies ist für viele studierte Menschen ganz normal. Als ob es schon immer so gewesen ist.

Rational sind diese Dinge nicht erklärbar. Nur der Glaube an die Regierung macht es auf den ersten Blick vielleicht vernünftig. Leben Retten durch Versklavung. Was zählt schon ein Individuum, wenn viele andere gerettet werden können?

Diese Groteske wäre zum Lachen gewesen. Meinen Kopf hätte ich geschüttelt. Wie Kafkas Käfer auf dem Rücken. Ein irrsinniges Bild des verqueren Geistes eines Literaten. So hätte ich gedacht, damals auf dem Bahnsteig, als Jugendlicher, der diese Geschichten lesen musste. Die Deutschstunde. 1984. A Brave New World. Alles Hirngespinste. So etwas kann nur in einem parallelen Universum geschehen.

Verlache niemals die Phantasien verstorbener Autoren. Sie werden dich jagen.

Titelfoto: Pereanu Sebastian auf Unsplash