Broker-Bewertung: eToro im Depot-Check

Wer Aktien, ETFs oder Anleihen handeln will, braucht ein Depot. Wichtige Kriterien bei der Auswahl des Brokers sind das Angebot an Wertpapieren, Sicherheit und Kosten. Wie schneidet eToro ab?

Profil

Das in 2007 gegründete Fintech eToro verspricht ein kostenloses Depot und provisionsfreien Handel mit Wertpapieren. Der Broker setzt auf Social-Trading, wobei neue von erfahrenen Tradern lernen und erfolgreiche Musterportfolios am Umsatz beteiligt werden können.

Depoteröffnung und Einzahlung

Das Depot ist mit wenigen Angaben schnell eingerichtet. Zur Aktivierung muss für die Geldwäscheprävention ein Ausweisdokument (Personalausweis, Pass oder Führerschein) gescannt und hochgeladen werden. eToro braucht zudem einen Adressnachweis (z.B. Stromrechnung). Dieser ist auch bei Adressänderungen nötig, was umständlicher als sonst üblich ist.

Die praktikabelste Methode, Guthaben auf das eToro-Depot einzuzahlen, ist die Abbuchung per Kreditkarte. Im eToro-Konto gibt man die Daten seiner Kreditkarte und den gewünschten Betrag an. Die Abbuchung wird in USD vorgenommen.

Weniger komfortabel ist die Banküberweisung, die sich für kleinere Beträge kaum lohnen dürfte. Die Gebühren für die Transaktion auf das eToro-Konto in Zypern und die Umwandlung von EUR in USD trägt der Kunde. Nach Angaben von eToro kann es zwischen vier und sieben Arbeitstagen dauern, bis das Geld eingegangen ist. Daneben stehen noch Sofortüberweisung und Zahlungsdienstleister wie Paypal zur Verfügung.

Während die Einzahlung kostenlos ist, werden für Auszahlungen pauschal 5 USD verlangt. Der Mindestbetrag für Auszahlungen ist 50 USD. Auszahlungen erfolgen über denselben Weg, der für die Einzahlung gewählt wurde.

Plattform und Bedienung

Die Handelsplattform wird sowohl als Webtrader als auch für Smartphones mit Apple iOS oder Android angeboten. Die Plattform ist übersichtlich. eToro legt Wert auf einfache Bedienbarkeit. Einen Eindruck von der Webplattform erhält man mittels der aktuellen Marktübersicht. Das Filtern von Suchresultaten ist recht umständlich. Im Prinzip ist es am besten, wenn man das Tradingkürzel kennt.

Sobald ein Guthaben verzeichnet ist, kann man mit wenigen Klicks und in Realtime loslegen. Umständliche TANs werden nicht verlangt.

Webtrader bei eToro
Plattform des Webtrader von eToro

Handelsplätze und handelbare Produkte

Auf eToro lassen sich Aktien, ETFs und Devisen handeln. Interessantes Feature ist der Handel mit fast 100 Kryptowährungen, darunter natürlich die großen drei: Bitcoin, Ethereum und Ripple. Der Handel über Differenzverträge (CFD) wird unterstützt. Hebel (Kaufen auf Kredit) wird ebenfalls angeboten.

Mit 145 Werten ist das Angebot an ETFs für langfristige Investoren überschaubar. Als breiter globaler Aktien-Fonds gibt es etwa den iShares MSCI ACWI ETF, den iShares Core MSCI World UCITS ETF oder den Vanguard FTSE Developed Markets ETF (ex US) zu kaufen.

Über die verfügbaren Handelsplätze für Aktien kann sich der Anleger nicht beschweren. Ob Frankfurt, London, Amsterdam oder Paris – alles ist dabei. US-Werte können über NYSE bzw. NASDAQ gehandelt werden. Der in Deutschland beliebte Börsenplatz XETRA steht jedoch nicht zur Auswahl.

Kosten und Gebühren

Der Hauptgrund für Aktieninvestoren, sich für eToro zu interessieren, dürfte der günstige Handel sein. ETFs und Aktien können ohne Provisionen gehandelt werden, die traditionell im Vergleich zu den Börsenentgelten den größten Kostenfaktor ausmachen. eToro verdient über Spreads bzw. beim Handel über Hebelprodukte oder CFD.

Die Depotführung selbst ist kostenfrei. Bei inaktiven Konten, bei denen sich der Kunde ein Jahr lang nicht anmeldet, wird allerdings eine monatliche Gebühr fällig. Auch bei Auszahlungen verlangt eToro fünf Dollar.

Steuern und Vertragliches

Zu Steuern schweigt die Webseite von eToro fast gänzlich. Da das Depot in Zypern liegt, wird eToro keine Abgeltungssteuer nach deutschen Vorgaben abführen. Das hat bei der chaotischen Investitionssteuer den Vorteil, dass man keine Märchensteuern auf hypothetische Gewinne thesaurierender Fonds entrichten muss. Allerdings sind die dafür infrage kommenden ETF bei eToro eher ein Margenprodukt. 

Im Hinblick auf Dividenden wird je nach Sitzland der Aktiengesellschaft die Quellensteuer fällig. Für deutsche Aktien bedeutet das eine automatische Abgabe von 30%. Hier steht man also im Vergleich zu Abgeltungssteuer ein kleinwenig schlechter da (25% + Solidaritätszuschlag).

Bei der Steuererklärung muss man die Erträge händisch erfassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es bei eToro am Jahresende eine Ertragsaufstellung gibt, die das Ausfüllen des Formulars einfach macht.

Das Vertragswerk der eToro Europe ist nur auf Englisch verfügbar. Einige Stolpersteine erschließen sich daher für deutschsprachige Privatanleger vielleicht nicht oder nur schwer (siehe folgender Punkt).

Sicherheit und Einlagenschutz

Zum Einloggen braucht man Nutzernamen und Passwort. Eine Zweifaktorauthentifizierung wird nicht angeboten. Auf die umständlichen PSD2-Anmeldungen verzichtet eToro. Für den einen mag es ein Segen sein. Andere werden sich unwohl fühlen. Jedenfalls lassen sich Trades unkompliziert ausführen, ohne dass wie bei anderen Brokern jedes Mal TANs eingegeben werden müssen.

Die Sicherheit der Einlagen ist bei eToro mit Risiken behaftet, über die sich der Anleger im Klaren sein sollte. Das Guthaben der Anleger liegt nicht auf gesonderten Verrechnungskonten für jeden einzelnen Anleger, sondern bei einem Konto einer Bank, das auf den Namen von eToro geführt wird („Omnibus-Account“). Im Falle einer Insolvenz von eToro besteht nur ein Anspruch gegen die Insolvenzmasse auf anteilige Auskehrung. 

Ähnlich sieht es mit der Wertpapierverwahrung aus. Die Wertpapiere werden bei einer Sammelverwahrungsstelle (wie Clearstream) auf den Namen von eToro oder eines anderen Verwahrers gehalten und nicht auf den Namen der Anleger. Ferner behält sich eToro das Recht vor, die Wertpapiere zu verleihen. Damit können zum Beispiel Hebelgeschäfte für andere Kunden ermöglicht werden.

eToro Europe unterliegt der Zyprischen Finanzaufsicht und muss sich an die EU-weit geltenden Kapitalmarktrichtlinien halten. Das bedeutet aber nicht, dass die Einlagen wie in Deutschland geschützt sind. Der zyprische Fond zur Sicherung von Anlagegeldern sieht eine Kompensation von maximal 20.000 Euro pro Kunden vor.

Gesamtbewertung

Der Marketing-Gag der eToro ist das Social-Trading. Wer will, kann einfach das Portfolio eines anderen Traders kopieren und dessen Investitionen automatisch nachbilden. Der Sinn dieses Angebots erschließt sich mir nicht. Bekanntermaßen schneiden selbst professionelle Fondsmangager langfristig schlechter ab als der Markt. Warum sollten Privatinvestoren nun ausgerechnet auf Hobby-Investoren vertrauen?

Reizvoll erscheint auf den ersten Blick das Werbeversprechen provisionsfreien Aktienhandels. Nichts scheut der Investor mehr als Gebühren. Allerdings kommt bei eToro der Faktor Sicherheit ins Spiel. Das Depotmodell ist nicht dafür geeignet, größere Vermögensteile langfristig zu sichern und ruhig zu schlafen. Wenn der Broker in Zypern über die Wupper geht, wird es schwierig, seine Vermögenswerte wiederzusehen. Da die von eToro gehaltenen Wertpapiere verliehen werden können, wird das Ausfallrisiko erhöht. 

Ferner muss man bedenken, dass das Konto in US-Dollar geführt wird, obwohl Zypern zur Eurozone gehört. Es fallen also Umrechnungskosten für den Transfer von und zum Girokonto an. 

Fazit: Das eToro-Depot eignet sich vor allem für Zocker, die kurzfristig mit Hebeln oder Kryptowährungen handeln wollen, ohne dabei größere Summen in die Hand zu nehmen. Für den Investor, der einen Broker für den langfristigen Vermögensaufbau sucht, ist eToro eher nicht die erste Wahl.

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Cover-Bild von Jason Briscoe auf Unsplash

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